Das Pilzjahr 2005
2005 brachte uns, wie schon die Jahre
zuvor, eine Vielzahl interessanter Funde. Im folgenden wird eine Auswahl
von 20 bemerkenswerten Arten vorgestellt. Am Anfang stehen zwei Schlauchpilze.
Die erste Exkursion im Jahr 2005 führte uns im Januar nach Bochum-Riemke
ins Berger Tal. Die Exkursion war gut besucht und wenn viele Augen suchen,
wird auch manch neues entdeckt. Zum Beispiel fanden wir auf einem Aststück
die Vierfrüchtige Quaternarie (Quaternaria quaternata).
Die Art wächst in größeren Herden unter Buchenrinde.
Sie ist relativ häufig, wurde von uns bisher aber vermutlich übersehen.
Die Februar-Exkursion im Hertener Katzenbusch erbrachte den Nachweis
des Leuchtenden Prachtbechers (Caloscypha fulgens). Diese
schöne und auffällige Art ist im Flachland sehr selten und
war im nördlichen Ruhrgebiet nicht zu erwarten. Sie fruktifiziert
allerdings sehr unregelmäßig, vgl. KRIEGLSTEINER 1996 in
Ulmer Pilzflora IV. Am 1.Mai fuhren wir bei schönstem Ausflugswetter
nach Hamm. Wir fanden nur relativ wenige Arten, darunter aber den Süßriechenden
Faserling (Psathyrella sacchariolens) und den Buchenwald-Wasserfuß
(Hydropus subalpinus).
Hydropus subalpinus (s. Foto 1) ist im Teutoburger Wald und in
den Kalkgebieten des Sauerlandes häufiger und fruchtet sowohl im
Frühjahr als auch im Herbst. Die nächsten interessanten Funde
erfolgten erst im August. Bei der Vielzahl der Täublinge ist es
nicht verwunderlich, wenn jedes Jahr "seine" auffälligen
Arten hervorzubringen scheint. Als persönlichen "Täubling
des Jahres" wähle ich den nicht sonderlich seltenen Großen
Rosatäubling (Russula velutipes = R. aurora), der erstmalig
auf der Augustwanderung im Bottroper Rotbachtal, aber auch an der Fuelbecke-Talsperre
und während der Eifelexkursion im September in der Umgebung von
Marmagen gefunden werden konnte. Die Art zeichnet sich durch eine netzartige
Struktur auf dem Stiel aus und bevorzugt saure Böden. Ende August
besuchten wir den pilzreichen Wald bei Hösel. Obwohl wir diesen
Wald schon oft aufgesucht haben, lassen sich hier immer noch neue Funde
machen. Unter anderem gehörte zu diesen Neufunden diesmal ein Vertreter
der holzbewohnenden Pilze mit einjährigen Fruchtkörpern. Es
war der Flache Schillerporling (Inonotus cuticularis),
der an einem liegenden Buchenstamm fruchtete, s. Foto 2. Ein weiterer
Neufund für den Raum Hösel gelang bereits am 16.08.2005. Die
reichlichen Regenfälle im August hatten zum Auftreten des Hasenröhrlings
(Gyroporus castaneus) geführt. Diese schön gefärbte
Art (anderer Name: Zimtröhrling) ist v.a. unter Eichen zu finden
und bevorzugt Sandböden. In Hösel wurde sie an einem Bahndamm
gefunden. Im September fand die Exkursion zur Fuelbecke-Talsperre statt,
die zu unserem traditionellen Standardprogramm gehört. Hier fanden
wir ein Highlight des Jahres, nämlich den Orangerötlichen
Adernseitling (Rhodotus palmatus) an einem liegenden Buchenstamm.
Diese erst seit Ende der 70er Jahre in Deutschland nachgewiesene Art
war bisher im wesentlichen aus einem eng umgrenzten Bereich im Rheinland
bekannt.
Auch der Fund des Horngrauen Rötelritterlings (Lepista
panaeolus) an der Fuelbecke-Talsperre war nicht alltäglich.
Ebenfalls noch im September stand eine große Exkursion an den
Rand der Kalkeifel an. Obwohl das schöne Wetter uns keine große
Hoffnungen auf eine erfolgreiche Pilzausbeute gemacht hatte, war das
Gefundene beachtlich. Erwähnenswert war z.B. der Weinrote Rißpilz
(Inocybe adaequata, s. Foto 3), der durch Größe und
Färbung nicht unbedingt sofort als Rißpilz zu erkennen ist.
Reich vertreten war die Gattung der Ritterlinge, die sämtlich zu
den Mykorrhizabildnern gehören und somit besonders wichtig für
den Wald sind. Schön war insbesondere der Fund des Grüngelben
Ritterlings (Tricholoma sejunctum). Auch der Scharfe
Haselmilchling (Lactarius pyrogalus = L. hortensis)
und der Dottergelbe Schönkopf (Calocybe chrysenteron)
sind hervorzuheben. Der Scharfe Haselmilchling ist neben dem Vorkommen
unter Hasel auch an seinen relativ weit stehenden und gelbocker gefärbten
Lamellen zu erkennen. (Unterstrichene Namen bitte Anklicken).
Am 25.09.2005 war es dann soweit. Wir begingen unser 25-jähriges APR-Jubiläum mit einer großen Pilzaustellung im Haus der Natur in Herne. Im
Vorfeld wurde eifrig gesammelt. So konnten wir trotz des sonnigen Wetters
im September eine Vielzahl von Arten (über 220) ausstellen. Besonders
bemerkenswert waren z.B. die auf unterirdisch wachsenden Hirschtrüffeln
parasitierende Kopfige
Kernkeule (Cordyceps capitata = C. canadensis) und der
Schuppige Sägeblättling (Lentinus lepideus),
der an Nadelholzstümpfen und an verbautem Nadelholz wächst.
Die Funde in der Ausstellung stammten aus der Eifel, dem Rothaargebirge,
dem südlichen Münsterland und dem nördlichen Ruhrgebiet.
Bei einem Aufenthalt in Bad Laasphe wenige Tage später konnte nach
der Kopfigen Kernkeule ein weiterer in NRW sehr seltener Schlauchpilz
gefunden werden. Auf einer mit Lärchen bestandenen Wiese wuchs
der Dottergelbe Spateling
(Spathularia flavida).
Anläßlich der Exkursion
der Essener Biologischen Gesellschaft bot sich im Oktober die Gelegenheit
die Wälder bei Hilchenbach zu erkunden. Obwohl die Wälder
ungewöhnlich trocken waren, gelangen mehrere interessante Funde.
Besonders erwähnenswert waren zwei Schleierlinge und ein Wulstlingsverwandter.
Nur wenige m voneinander entfernt wuchsen an einer mit jungen Gehölzen
bewachsenen Bahnböschung die beiden Schleierlinge Schönstieliger
Gürtelfuß (Cortinarius pulchripes, s. Foto 4)
und Braunschuppiger
Dickfuß (C. pholideus).
Die
Gürtelfüße (=Untergattung Telamonia) sind in
der Regel kleinere Pilze mit hygrophaner Huthaut, während sich
die Dickfüße (=Untergattung Sericeocybe) durch trockene
Hüte mit meist seiden-glimmeriger Huthaut und bläulichen Farbtönen
auszeichnen. Ebenso unerwartet wie der Fund der beiden seltenen Schleierlinge
war der Fund des mit den Knollenblätterpilzen verwandten Getropften
Schleimschirmlings (Limacella guttata). Diese Art wurde
unter Fichten gefunden. Ein weiterer Beleg dafür, dass auch Fichtenforste
unter pilzökologischen Gesichtspunkten ihre reizvollen Seiten haben.
Ende Oktober gelang am Ende der Exkursion nach Haltern-Holtwick der
"Fund des Tages". Auf der zeitweise mit Schafen beweideten
Holtwicker Wacholder Heide wuchsen mehrere kleine Pilzchen, die ungewöhnlich
farbvariabel waren und in bräunlichen und bläulichen Farben
auftraten. Der erste Verdacht, dass es sich um kleine Telamonien handeln
könnte, wurde jedoch nicht bestätigt. Vielmehr entpuppten
sich die Pilze nach einem Blick ins Mikroskop als Stachelsporige
Graublätter (Lyophyllum tylicolor), s. Foto 5. Die Art
ist bereits zwischen 1964-1979 vom Holländer BARKMAN im selben
Gebiet unter dem Namen Tephrocybe tylicolor aufgelistet worden.
(Anmerkung: Die Pilze auf dem Foto waren zum Zeitpunkt der
Aufnahme schon 4 Tage alt).
In
der folgenden Tabelle ist die Anzahl der Meßtischblätter
mit Artnachweisen im Verbreitungsatlas der Großpilze Deutschlands
(KRIEGLSTEINER 1991/1993) sowie der Gefährdungsgrad gemäß
der Roten Liste der Großpilze in NRW (SONNEBORN, SONNEBORN &
SIEPE 1999) angegeben. Gefährdungskategorien: 1 = vom Aussterben
bedroht, 2 = stark gefährdet, 3 = gefährdet
BARKMAN 1981: Pilzarten, gesammelt in Wacholderheiden
Westfalens, 1964-1979. Fundliste. Zitiert in RUNGE 1986: Neue Beiträge
zur Pilzflora Westfalens. Abh. Westf. Museum Naturkunde 1986 (1).
| Wissenschaftlicher Name |
Deutscher Name |
RL NRW |
Frequenz NRW
|
| Calocybe chrysenteron |
Dottergelber Schönkopf |
3 |
5 MTB
|
| Caloscypha fulgens |
Leuchtender Prachtbecherling |
2 |
6 MTB
|
| Cordyceps capitata |
Kopfige Kernkeule |
1 |
3 MTB
|
| Cortinarius pholideus |
Braunschuppiger Dickfuß |
3 |
15 MTB
|
| Cortinarius pulchripes |
Schönstieliger Gürtelfuß |
3 |
1 MTB
|
| Gyroporus castaneus |
Hasenröhrling |
2 |
19 MTB
|
| Hydropus subalpinus |
Buchen-Wasserfuß |
- |
24 MTB
|
| Inocybe adaequata |
Weinroter Rißpilz |
- |
20 MTB
|
| Inonotus cuticularis |
Flacher Schillerporling |
- |
28 MTB
|
| Lactarius hortensis |
Hasel-Milchling |
3 |
50 MTB
|
| Lentinus lepideus |
Schuppiger Sägeblättling |
3 |
23 MTB
|
| Lepista panaeolus |
Horngrauer Rötelritterling |
- |
15 MTB
|
| Limacella guttata |
Getropfter Schleimschirmling |
3 |
31 MTB
|
| Lyophyllum tylicolor |
Stachelsporiges Graublatt |
- |
10 MTB
|
Quaternaria quaternata
(=Eutypella quaternata) |
Vierfrüchtige Quaternarie |
- |
24 MTB
|
| Psathyrella sacchariolens |
Süßriechender Faserling |
- |
- MTB
|
| Rhodotus palmatus |
Orangerötlicher Adernseitling |
1 |
15 MTB
|
| Russula velutipes |
Großer Rosatäubling |
- |
48 MTB
|
| Spathularia flavida |
Dottergelber Spateling |
- |
1 MTB
|
| Tricholoma sejunctum |
Grüngelber Ritterling |
- |
21 MTB
|