Bemerkenswerte Pilzfunde im Jahr 2003

Im folgenden möchte ich die aus meiner Sicht interessantesten 20 Pilzfunde des letzten Jahres vorstellen. Aufgrund der ungewöhnlichen Witterungsverhältnisse wurden im Jahr 2003 unterdurchschnittlich wenige Pilze gefunden. Insbesondere die Mykorrhizabildner taten sich mit der Trockenheit schwer.
Die Angaben in der abschließenden Tabelle beziehen sich auf die Anzahl der Meßtischblätter mit Artnachweisen im Verbreitungsatlas der Großpilze Deutschlands (KRIEGLSTEINER 1991/1993).
Im Januar 2003 besuchten wir schon traditionsgemäß das Zillertal im Bochumer Norden. Dort konnten wir einen eher unscheinbaren Pyrenomyceten, nämlich das Blasige Eckenscheibchen (Diatrype bullata) finden. Zahlreiche Fruchtkörper dieser Art wuchsen auf abgestorbenen Weidenästen in Gewässernähe. Die Februarexkursion führte in den Botanischen Garten der Ruhr-Uni Bochum und in den anschließenden Kalwes. Anlass für die Exkursion war der Österreichische Prachtbecherling (Sarcoscypha austriaca), der auch 2003 wieder an seinem bekannten Standort fruktifizierte. Bemerkenswert ist auch der Körnchendrüsling (Myxarium nucleatum), der an einem Holzstapel im Botanischen Garten entdeckt wurde. Diese unscheinbar Art gehört zu den Zitterlingsartigen. Sie ist nicht selten, wird jedoch leicht übersehen. Namensgebend ist der helle Kristallkern im Innern der Fruchtkörper. Im März und April gelangen witterungsbedingt nur sehr wenige Pilzfunde. Für den März habe ich das Moos-Stummelfüßchen (Crepidotus epibryus) an abgefallenen Blättern am Hullerner Stausee notiert. Der deutsche und der wissenschaftliche Name sind beide etwas irreführend, da die Art meist an Blättern vorkommt. Ein interessanter Fund im April war die Hauptfruchtform des Weißdorn-Fruchtbecherling (Monilinia johnsonii) auf mumifizierten Weißdornfrüchten aus dem Kalwes. Diese Art tritt in den Sommermonaten als Schädling der Weißdornblätter und -früchte auf. Der Mai war ebenfalls ziemlich trocken, umso bemerkenswerter erscheint das große Vorkommen des Schildrötlings (Entoloma clypeatum) im RZR Herten. Die Art wuchs dort vergesellschaftet mit der Felsenbirne. Normalerweise wird die Art unter anderen Rosengewächsen, v.a. unter Weißdorn angetroffen. Vom Friedhof Bladenhorst stammte im Juni der Sternsporige Schildborstling (Scutellinia trechispora). Dieser Ascomycet wird im Ruhrgebiet nur sehr selten gefunden. Die Art ist allerdings auch nur mikroskopisch zu identifizieren, besitzt aber unverwechselbare Sporen. Im Juli fand die alljährliche Pilzaustellung anläßlich des Tags der offenen Tür im Herner Haus der Natur statt. Trotz der Temperaturen, die eher ins Freibad als zu einem Rundgang in der Biostation einluden, konnten etliche Pilze präsentiert werden. Erwähnen will ich nur den Dottertäubling (Russula risigallina = R. lutea).Dottertäubling Dieser auffällig gefärbte, aber zierliche Täubling wurde im Bochumer Süden gefunden. Die Art wächst i.d.R. einzeln und bevorzugt anscheinend Hainbuchen. Ebenfalls noch im Juli wurde in Hösel Lopadostoma turgidum gefunden. Dieser unscheinbare Schlauchpilz besiedelt abgestorbene Buchenäste. Die Art ist an der Vielzahl der kleinen Fruchtkörper und der rötlichbraunen Verfärbung der Rinde leicht kenntlich. Im August gelangen trotz der weiterhin ungewöhnlich warmen und trockenen Witterung mehrere interessante Funde. An der Dhünntalsperre fand ich den Sommersteinpilz (Boletus reticulatus) und den Krummstieligen Schüppling (Pholiota tuberculosa). Auf der APR-Exkursion in den Schloßpark Herten wurde u.a. der Graufilzige Dachpilz (Pluteus ephebeus) entdeckt. Er ähnelt einem kleinen Erdritterling. Ebenfalls noch im August gelang der Nachweis des holzbewohnenden Zweisporigen Muschelings (Hohenbuehelia fluxilis = H. reniforme) in Haltern-Holtwick. Spitzkegeliger TintlingDie ungewöhnliche Trockenheit dauerte auch im September noch an. Auf der mehrtägigen Exkursion in Hilchenbach und Umgebung gelangen trotzdem etliche schöne Funde. Bemerkenswert war der Fund des Karbolchampignons (Agaricus xanthoderma) im Fichtenforst, der Lilaschneidige Helmling (Mycena purpureofusca) auf morschem Fichtenholz, der Gelbolive Ellerling (Camarophyllus grossulus=Hygrocybe grossula) auf einem Fichtenstumpf sowie der leicht zu übersehende Kahle Erlenschnitzling (Alnicola scolecina). Anfang Oktober erschienen dann doch noch Pilze in größerer Anzahl. Nicht alltäglich war der Fund des Weinroten Schirmlings (Lepiota fuscovinacea) anläßlich der APR-Exkursion in Essen-Kettwig. Auch der Fund des Spitzkegeligen Tintlings (Coprinus acuminatus) anläßlich einer Vorexkursion am Kirchheller Heidesee verdient Erwähnung. Die Art ähnelt dem Grauen Faltentintling. Von den Funden der Oktoberexkursion in die Emmelkämper Mark bei Dorsten/Schermbeck ist der Rötlichgelbe Moosbecherling (Neottiella rutilans=Octospora rutilans) hervorzuheben. Die Art bildet bis 1,5 cm große, orangerote Becherchen aus. Bemerkenswert ist, dass die Gattung an Moosen parasitiert.

Wissenschaftlicher Name Deutscher Name RL NRW
Frequenz NRW
Agaricus xanthoderma Karbolegerling -
34 MTB
Alnicola scolecina Kahler Erlenschnitzling -
23 MTB
Boletus reticulatus Sommersteinpilz -
39 MTB
Camarophyllus grossulus Gelboliver Ellerling 3
18 MTB
Coprinus acuminatus Spitzkegeliger Tintling -
- MTB
Crepidotus epibryus Moos-Stummelfüßchen 2
3 MTB
Diatrype bullata Blasiges Eckenscheibchen -
24 MTB
Entoloma clypeatum Schildrötling -
51 MTB
Hohenbuehelia fluxilis Zweisporiger Muscheling -
2 MTB
Lepiota fuscovinacea Weinroter Schirmling -
10 MTB
Lopadostoma turgidum   -
6 MTB
Monilinia johnsonii Weißdorn-Fruchtbecherling -
2 MTB
Mycena purpureofusca Lilaschneidiger Helmling 1
- MTB
Myxarium nucleatum Körnchendrüsling -
6 MTB
Neottiella rutilans Rötlichgelber Moosbecherling -
10 MTB
Pholiota tuberculosa Krummstieliger Schüppling -
5 MTB
Pluteus ephebeus Graufilziger Dachpilz -
22 MTB
Russula lutea / R. risigallina Glänzendgelber bzw. Wechselfarbiger Dottertäubling -
25/55 MTB
Sarcoscypha austriaca Österreichischer Prachtbecherling 2
2 MTB
Scutellinia trechispora Sternsporiger Schildborstling -
14 MTB

T. Kalveram

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